Oft wird mir die Frage gestellt, wie viel ich für mein Studium bezahlt habe. Die meisten denken nämlich, dass ein Musikstudium extrem viel Geld kostet und haben keine Vorstellung davon, was finanziell auf sie zukommt.
Ich möchte heute Licht ins Dunkle bringen und meine Erfahrungen zu diesem Thema für Dich aufschreiben.
Was das Studium konkret kostet, ist extrem schwierig festzulegen, da natürlich mehrere Faktoren zu berücksichtigen sind. Ich zähle einfach mal von Anfang an alles auf was bedacht werden sollte.

Zum einen ist da der Instrumentalunterricht, den viele unterschätzen. Um überhaupt Musik studieren zu können, muss man eine Aufnahmeprüfung bestehen und sich gegen mehrere hundert Mitstreiter durchsetzen. Da empfiehlt es sich schon recht lange Unterricht auf dem jeweiligen Instrument bekommen zu haben, um der Konkurrenz die Stirn bieten zu können. Ein Jahr Instrumentalunterricht kostet ungefähr 1000,- bis 1500,- Euro.
Es geht bestimmt auch günstiger, doch wenn man es wirklich ernst meint, sollte der Unterricht an einer Musikschule von einem studierten Musiklehrer genommen werden.
Bevor man sich bei einer Aufnahmeprüfung anmeldet, sollte man mehrere Jahre Unterricht genommen haben.

Bei mir war es so:

Ich habe mir das Gitarrenspielen autodidaktisch, ab meinem 14. Lebensjahr, beigebracht. Mit 21 Jahren nahm ich zwei Jahre Instrumentalunterricht, bewarb mich danach an einer Hochschule und bestand die Aufnahmeprüfung.

Als Quereinsteiger stellt mein Fall nicht unbedingt die Norm da. Normalerweise hat man ab dem Jugendalter Instrumentalunterricht und wird somit über mehrere Jahre auf das Musikstudium vorbereitet.

Den Unterricht zahlen in diesem Fall noch die Eltern, somit ist dieser Faktor nur bedingt wichtig, aber trotzdem erwähnenswert.

Ein weiterer Faktor, der oft unterschätzt wird, ist das Instrument. Die klassischen Instrumente kosten, wenn man sich ein Gutes von einem Instrumentenbauer herstellen lässt, sehr viel Geld. Natürlich bekommt man für den Preis auch einiges geboten, da sich solche Instrumente bei weitem von einem Stangeninstrument unterscheiden. Dennoch benötigt man das Geld für so eine Investition und das kann, je nach Instrument, schnell die zehntausend Euro Grenze überschreiten. Ich habe über dieses Thema schon mal einen Artikel geschrieben, den man hier lesen kann: Das richtige Instrument

Kommen wir nun zu den laufenden Kosten.

Wenn man die Aufnahmeprüfung bestanden hat und endlich studieren kann, muss man sich jedes Semester zurückmelden und den Semesterbeitrag zahlen. Je nach Hochschule oder Uni fällt dieser Beitrag natürlich unterschiedlich aus.  Ich vermute, dass er sich aktuell in einem Bereich von 250,- bis 350,- Euro bewegt.
Hier ein Beispiel welche einzelnen Punkte der Semesterbeitrag enthalten kann:

 

  • Semesterticket (zum regionalen Bahnfahren)                                                 190,-
  • AStA                                                                                                           1,-
  • Neubau                                                                                                          5,-
  • Studierendenschaft                                                                                            8,50
  • Studentenwerk                                                                                                70,-
  • Verwaltungskostenbeitrag                                                                             50,-

 

Insgesammt____________________________________________324,50 Euro

(Das ist nur ein Beispiel. Für genaue Informationen sollte man im Studentensekretariat der jeweiligen Hochschule anrufen).

Gehe davon aus, dass der Semesterbeitrag von Semester zu Semester immer ein wenig ansteigen wird, da die Bahn ihre Preise ständig erhöht und die Hochschulen ihre Verwaltungspauschalen immer ein wenig anheben. Das bewegt sich  meistens in einem moderaten Rahmen und ist zu verkraften. Ich habe zum Beispiel am Ende meines Studiums knapp 60,-  Euro mehr bezahlt, als im ersten Semester.

Ich hoffe für dich, dass die Studiengebühren, die 2008 wieder abgeschafft wurden, nicht wieder eingeführt werden, da ansonsten zusätzliche Kosten von über 500,- Euro pro Semester anfallen können. Ich musste diese Studiengebühren bezahlen und war echt froh als sie wieder abgeschafft wurden.

Weiters zum Thema Musikstudium kann man auch hier nachlesen:

Das Musikstudium an sich ist recht kostengünstig. Natürlich fallen, je nach Instrument, die Instandhaltungskosten, wie zum Beispiel für neue Saiten oder ähnliches an. Diese Kosten sollte man im Überblick haben, wenn man sein Instrument schon seit Jahren benutzt.

Mein Fazit.
Ein Musikstudium ist nicht unbedingt kostenintensiver als ein anderes Studium. Man benötigt natürlich ein paar große Anschaffungen, wie zum Beispiel das Instrument und diverse Noten, doch in den meisten Fällen weiß man schon lange im Voraus, dass man Musik studieren möchte und hat somit genügend Zeit diese Investitionen zu planen.

 

 

Dieser Beitrag ist von: Martin

Hallo, meine Name ist Martin und ich habe von 2004 bis 2008 klassische Gitarre studiert. Nach meinem Diplom machte ich noch ein Aufbaustudium im Bereich Pop- und Jazz- Musik. Hier kann man mich auch finden: Google+

4 Kommentare

  1. Hallo, sehr interessanter Beitrag über das Musikstudium. Unter diesem Aspekt habe ich die Sache noch gar nicht betrachtet. Bin auf weitere Artikel gespannt.

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  2. Danke sehr für Engagement 🙂
    Ich finde es super dass du ein Quereinsteiger warst weil ich auch einer bin und
    mich gerade auf ein Studium vorbereite.
    Hast du nicht nach einem Jahr Unterricht eine Prüfung probiert?

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    • Ne, eine Prüfung nach einem Jahr wäre noch zu früh gewesen. Ich habe die Aufnahmeprüfung bestanden nach einer 2 Jährigen Vorbereitungszeit. Spiel doch einem Dozenten einer Hochschule vor, der kann dir sagen ob du schon so weit bist.

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  3. Hallo Martin,

    wir finden Deine Seite sehr gut und wir finden auch, dass Deine ursprüngliche Wahrnehmung die privaten Bildungseinrichtungen betreffend genau richtig ist. In ein Musikstudium gehört heute wesentlich mehr als eine solide musikalische Ausbildung am Instrument. Im übrigen steht an den meisten Hochschulen und Universitäten das Niveau der Aufnahmeprüfung in keinem Verhältnis zu den danach stattfindenden Qualität der Ausbildung.
    In einem staatlich anerkanntem Studium muss neben Haupt- und Nebenfach eine hochwertige didaktische Ausbildung stattfinden. Ebenso dazu gehören Betriebswirtschaftslehre, Tonstudiotechnik, Musikbusiness, Musikrecht, ausgedehntes Live-Playing und in der Praxis erworbene Fähigkeiten. Somit ist die Tür in eine spätere erfolgreiche Tätigkeit als Dozent, oder Bühnenmusiker, Produktspezialist, Studiomusiker, in der Produktion oder……. weit geöffnet.
    Wir in Hessen setzten genau hier an, und deshalb ist unsere Ausbildung genau so, wie sie ist. Neben der staatlichen Anerkennung muss, um in der Szene erfolgreich zu sein sein, das Dozententeam hochrangig sein und ein internationales Standing haben. So ist nachvollziehbar, dass gute Spieler gute Spieler (re-)produzieren.

    Viele Grüße aus Gießen

    Andreas Dieruff

    RPJAM

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